Nils Bohlin
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Nils Ivar Bohlin, * 17. Juli 1920 in Härnösand, Schweden; † 21. September 2002 in Ramfall, Schweden, war ein bedeutender Ingenieur auf dem Gebiet der Fahrzeugsicherheit. Auch wenn sein Name nur wenigen bekannt ist, hat seine wichtigste Erfindung - der Dreipunkt-Sicherheitsgurt - unzählige Menschenleben gerettet und einen der Grundpfeiler des guten Rufs Volvos als Hersteller sicherer Autos geschaffen.
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Lebenslauf
Bohlin wurde 1920 in Härnösand, Schweden, geboren und schloss dort 1939 seine Ausbildung als Maschinenbau-Ingenieur mit einem Bachelor of Science ab. Er wurde 1942 von SAAB (Svenska Aeroplan Aktiebolaget) eingestellt und arbeitete dort zuletzt an der Entwicklung von Schleudersitzen für Überschallflugzeuge mit.
1958 wechselte Bohlin zu Volvo, wo er als Sicherheits-Ingenieur noch im selben Jahr seine wohl wichtigste Erfindung machte: den Dreipunkt-Schulter-Becken-Sicherheitsgurt, den Volvo umgehend patentieren liess. Dieser Dreipunkt-Sicherheitsgurt liess sich mit einer Hand öffnen und schliessen und war damit gleich bequem und einfach zu Handhaben wie ein reiner Beckengurt. Volvo baute den Dreipunkt-Sicherheitsgurt ab 1959 zunächst in den für den schwedischen Markt bestimmten und ab 1963 prinzipiell in allen Fahrzeugen ein. Im selben Jahr verzichtete Volvo auch auf Lizenzforderungen für die Nutzung ihres Patents und erlaubte allen Automobilherstellern die freie Nutzung des Dreipunkt-Sicherheitsgurtes, da die Erfindung von Volvo als zu bedeutend für die Menscheit angesehen wurde, als dass man aus ihr Profit schlagen wollte. Ein nobler Schritt - dennoch dauerte es lange und benötigte staatliche Vorschriften, bis alle Automobilhersteller den Dreipunkt-Sicherheitsgurt übernahmen.
Bereits 1959 wurde Bohlin zum Vorsteher von Volvos Automobil-Sicherheits-Abteilung befördert, wo er zehn Jahre arbeitete. 1969 dann wurde er in die zentrale Forschungs- und Entwicklungs-Abteilung versetzt, der er als Chefingenieur vorstand. Stets hat sich Bohlin um Fragen zur Fahrzeugsicherheit gekümmert, auch die Gründung von Volvos Verkehrsunfalls-Forschungsgruppe geht auf seine Initiative zurück. 1985 ging Bohlin in den Ruhestand.
Nils Bohlin wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, darunter die Gold-Medaille der Königlichen Schwedischen Akademie der Ingenieurswissenschaften und dem Ralph H. Isbrandt Automotive Safety Engineering Award. 1985 wurde seine Erfindung vom deutschen Patentamt zu einem der in Bezug auf seinen Nutzen für die Menschheit acht wichtigsten Patente der vergangenen 100 Jahre gekürt. Seiner Aufnahme in die US-amerikanische National Inventors Hall of Fame konnte Nils Bohlin nicht mehr beiwohnen; er starb am Tage der Feierlichkeiten im Alter von 82 Jahren in Ramfall, Schweden.
Zitate
- "The pilots I worked with in the aerospace industry were willing to put on almost anything to keep them safe in case of a crash, but regular people in cars don't want to be uncomfortable even for a minute."
- "In a way, my design works as much because the belt is comfortable for the user as it does because it is safer."
Zahlen und Abschätzungen
- Nach einer Volvo-Studie hat Nils Bohlins Erfindung schon über eine Million Menschenleben gerettet.
- Gemäss der US-amerikanischen National Highway Traffic Safety Administration NHTSA verringert das Tragen eines Sicherheitsgurts das Risiko eines tödlichen Verkehrsunfalls um mindestens 45%.
- Etwa alle 6 Minuten rettet der Dreipunkt–Sicherheitsgurt ein Leben.
Literatur
- Nils Bohlin, "A Statistical Analysis of 28,000 Accidents with Emphasis on Occupant Restraint Value", 1967, Proceedings of the 11th Stapp Car Crash Conference.

